| Veranstaltung: | Kreismitgliederversammlung 26.04.2021 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | TOP 3 Weitere Anträge |
| Antragsteller*in: | Roni Tunç (KV Köln) |
| Status: | Eingereicht (ungeprüft) |
| Angelegt: | 22.04.2021, 19:31 |
Verbesserung der psychischen Versorgung
Antragstext
In der Hoffnung das es noch möglich ist einen Punkt ins Bundestagswahlprogramm
einzubringen, reiche ich hiermit diesen Antrag auf eine Verbesserung des
psychischen Versorgungsystems ein. Die Adjustierung der vorgesehenen Kassensitze
für PsychotherapeutInnen und das Einführen eines verpflichtenden Service-
Rankings der Krankenkassen sind Maßnahmen die erheblich dazu beitragen würden.
Beide Maßnahmen werden von der Bundestherapeutenkammer befürwortet.
Begründung
Das Thema der psychischen Gesundheit ist hoch-relevant. Ca. ein Viertel aller Erwachsenen weisen mindestens einmal im Leben eine psychische Störung auf. In Europa verursachen Depressionen einen höheren Verlust an Lebensjahren, als alle anderen medizinischen Krankheiten & Störungen. Der Volkswirtschaftliche Verlust durch Produktionsausfall aufgrund von psychischen Störungen liegt bei 14,4 Mrd. € in Deutschland. Außerdem ist das durchschnittliche Alter der ersten psychischen Störung ist in den vergangenen Jahrzehnte stetig gesunken. Jüngere Generation sind zudem häufiger von psychischen Störungen betroffen. Dennoch weist die Adjustierung der Versorgung in Deutschland massive Mängel auf. Personen sind laut BAuA (2019) gezwungen im Durschschnitt 4-9 Monate auf einen Therapieplatz zu warten. Zu Zeiten von Corona hat sich dieses Defizit erheblich ausgeweitet. Die Erhöhung der Kassensitze kann eine Verkürzung der Wartezeiten auf einen Therapieplatz bewirken. Diese ist daher so hoch, weil es schlicht weg zu wenig PsychotherapeutInnen mit Kassensitz gibt. In diesem Punkt sind sich Politik, Psychotherapeutenkammer und das GBA (Gemeinsamer Budnesausschuss) einig. Der GBA ist ua. für die Bedarfsanpassung der Kassensitze für PsychotherapeutInnen verantwortlich. In einem GBA Bericht (2019) wurde eine Notwendigkeit von 2413 neuen Kassensitzen für PsychotherapeutInnen postuliert. Davon wurden lediglich 776 tatsächlich kreiert. Grund dafür ist vermutlich, dass seitens Krankenversicherungen die Sorge einer Kostenexplosion besteht. Versicherungsvertreter sitzen im Ausschuss des GBA und haben ein Stimmrecht. Vor dem Hintergrund, dass Versicherungen in Deutschland in Konkurrenz miteinander stehen und ihre Kosten möglichst gering halten müssen, wird die Rational ersichtlich. Hier kann die Politik "nachhelfen" indem sie ein verpflichtendes Service-Ranking der Krankenkassen in Bezug auf die psychische Versorgung einführt. Der Vorschlag der Bundespsychotherapeutenkammer lautet hier "Die BPtK fordert deshalb, das Vertrags- und Bewilligungsverhalten der Kassen regelmäßig durch unabhängige Versichertenbefragungen zu überprüfen. Die Erfahrungen der Versicherten sollen gebündelt und allgemeinverständlich allen Versicherten zur Verfügung gestellt werden. Ein solches Service-Ranking würde den Versicherten helfen, die für sie richtige Krankenkasse zu finden." (https://www.bptk.de/krankenkassen-zu-einem-service-ranking-verpflichten/)